Auf diese Woche fiebert man als KI-Newsletter hin. Es ist wirklich unfassbar viel passiert. OpenAI hat neue Modelle veröffentlicht, und obwohl die Fähigkeiten von GPT 5.6 sehr nah an die von Fable 5 von Anthropic herankommen, lief der Release deutlich flüssiger als bei Letzterem. Und wäre das nicht schon genug, hat Apple dann eine Klage gegen OpenAI eingereicht, weil Industriespionage im großen Stil passiert sein soll. Die Geschichte dahinter ist unglaublich. Vielleicht gehen wir noch tiefer darauf ein als in den Highlights heute, aber die Memes sind jetzt schon vielversprechend. Los geht's!

Peanuts für heute:

  • 🧠 Die Große Nuss: OpenAI startet drei neue Modelle und macht ChatGPT zum Mitarbeiter

  • 📊 Highlight: Apple verklagt OpenAI wegen gestohlener Designgeheimnisse

  • 🛠️ Trai it Out: Top-Usecase für “lokale Inferenz": Automatisch aufzeichnen, womit ihr den Tag wirklich verbracht habt

🏃 OpenAI startet drei neue Modelle und macht ChatGPT zum Mitarbeiter

„DIE GROSSE NUSS muss kürzer werden“, sagt Tim jedes Mal beim Prüfen. Und ich werde ihn heute enttäuschen müssen. Es ist viel zu viel für eine einzelne Große Nuss, aber wir probieren unser Bestes!

Davon träumt OpenAI-CEO Sam Altman bei diesem Release: Du sprichst, ChatGPT hört zu. Während du weiterredest, gibt das Sprachmodell eine schwierigere Frage an ein stärkeres Modell im Hintergrund ab. Gleichzeitig kann ChatGPT Work Informationen aus Browsern, Dateien und Programmen zusammensuchen, daraus eine Präsentation bauen und den Entwurf weiterbearbeiten, während du längst etwas anderes machst. Auf den Senden-Knopf musst du nie drücken.

Ob das alles so funktioniert, wird man erst in ein paar Wochen wissen. Bisher laufen unsere Tests aber sehr gut.

Was OpenAI genau veröffentlicht hat

Es gibt neue Modelle und ein neues Agentenprodukt:

  • GPT-Live-1 ist das neue Sprachmodell für zahlende ChatGPT-Nutzer. Es kann gleichzeitig zuhören und sprechen, mit Unterbrechungen umgehen und komplexere Fragen im Hintergrund an ein stärkeres Modell weitergeben, ohne das Gespräch zu beenden. Hier eine coole Demo.

  • GPT-5.6 Luna ist das schnellste und günstigste Modell der neuen Familie. Es ist für große Mengen standardisierter Arbeit gedacht: Zusammenfassungen, Klassifikation, Datenverarbeitung und andere Aufgaben, bei denen Geschwindigkeit und Kosten wichtiger sind als maximale Intelligenz.

  • GPT-5.6 Terra ist das Modell für den Arbeitsalltag. Es soll die Balance aus Leistung, Geschwindigkeit und Kosten liefern und laut OpenAI ungefähr auf dem Niveau von GPT-5.5 arbeiten, aber deutlich günstiger sein.

  • GPT-5.6 Sol ist das neue Spitzenmodell. Es ist für komplexe Recherche, Programmierung, wissenschaftliche Arbeit, Design und mehrstufige Aufgaben gebaut, bei denen das Modell über längere Zeit planen, Werkzeuge benutzen und Ergebnisse kontrollieren muss. Der Preis ist deutlich niedriger als bei der etwas smarteren Konkurrenz von Anthropic, Fable 5.

Dazu kommt ChatGPT Work. Im Prinzip die OpenAI-Version von Claude Cowork. Der Agent kann auf verbundene Programme, Dateien und Webseiten zugreifen, Präsentationen, Tabellen, Dokumente und Web-Apps erstellen und Projekte bei Bedarf über Stunden weiterverfolgen.

Alle drei GPT-5.6-Modelle können Text und Bilder verarbeiten, Werkzeuge wie Websuche, Dateisuche und Computersteuerung benutzen und bis zu rund eine Million Token Kontext aufnehmen. OpenAI trennt damit erstmals deutlicher zwischen der Modellgeneration und der Leistungsklasse: 5.6 bezeichnet die Generation, Luna, Terra und Sol bezeichnen die Größe des Modells und den vorgesehenen Einsatzbereich.

Ganz sauber ist der Release dieser neuen „Super-App“ nicht gelaufen. Die Installation war schlecht, viele mussten die ChatGPT-App komplett neu installieren und es gibt wieder viel zu viel einzustellen (welches Modell nochmal für welche Aufgabe?). Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, läuft es aber ganz sauber.

Welches Modell für welche Arbeit?

Luna erledigt billige Massenarbeit. Terra übernimmt den Großteil der normalen Wissensarbeit. Sol wird nur dann aufgerufen, wenn eine Aufgabe den zusätzlichen Preis und die längere Denkzeit rechtfertigt.

Im neuen Ultra-Modus kann Sol sogar vier Unteragenten parallel auf verschiedene Teile eines Problems ansetzen und deren Arbeit anschließend zusammenführen. Für Agentic Engineering ist das ein Gamechanger.

Wir sind keine großen Fans von Benchmarks, weil völlig undurchsichtig ist, inwiefern die Modelle auf den jeweiligen Benchmark optimiert wurden. Interessanter als die Benchmarks ist, wofür OpenAI Sol intern verwendet. GPT-5.6 hilft den Forschern bereits dabei, Fehler in Trainingssystemen zu finden, Experimente durchzuführen und andere Modelle zu verbessern.

In der Launch-Präsentation erklärte OpenAI, Sol habe das Post-Training von Luna weitgehend autonom übernommen. Das ist der Anfang vom Anfang vom Anfang selbstverbessernder Systeme. Und das ist der heilige Gral, nach dem alle großen KI-Labs derzeit suchen. Godspeed an alle KI-Entwickler an dieser Stelle.

Die offene Frage hinter ChatGPT Work

Ein System, das fünf Minuten lang eine Tabelle bearbeitet und am Ende einen sichtbaren Fehler macht, ist lästig. Ein System, das drei Stunden lang durch Dateien, E-Mails und Programme arbeitet und dabei an einer frühen Stelle eine falsche Annahme trifft, kann eine vollständig plausible, aber falsche Arbeitswelt erzeugen.

Es gibt deshalb nicht die eine „Fehlerquote“ für Agenten. Die entscheidenden Zahlen werden konkreter sein müssen: Wie viele mehrstündige Aufgaben werden vollständig abgeschlossen? Wie oft bemerkt das System eigene Fehler? Wie viele Ergebnisse brauchen menschliche Nacharbeit? Und wie häufig scheitert es, ohne dass der Nutzer den Fehler sofort erkennt?

Das beste Indiz dafür, wie gut diese Modelle wirklich sind, ist vielleicht, dass der OpenAI-Release die Konkurrenz sehr nervös gemacht hat.

Elon Musk schießt nach längerer Sendepause wieder verschärft gegen OpenAI-Gründer Sam Altman. Und Anthropic will eigentlich seit Wochen sein Top-Modell Fable 5 aus der normalen Subscription nehmen und per API abrechnen, verlängert jetzt aber immer wieder den Zeitraum, in dem man das Modell weiterhin im normalen Abo nutzen kann.

Ist die Nervosität der Konkurrenz der neue Proxy für gute Modellfähigkeiten? Wenn ja, machen wir daraus die nächste Benchmark. Versprochen.

🛠 Trai it out:

Dayflow

Diese App haben wir die ganze Woche getestet und können sie nur empfehlen. Dayflow schaut dir beim Arbeiten zu und schreibt automatisch mit, was du den ganzen Tag gemacht hast. Das klingt erstmal seltsam, ist aber erstaunlich praktisch: Am Ende des Tages bekommst du eine lesbare Timeline, die zeigt, womit du wirklich deine Zeit verbracht hast. Kein manuelles Zeiterfassen, keine Tags, keine Timer. Der Clue ist die Verarbeitung: Dayflow installiert (wenn man möchte) ein kleines lokales Sprachmodell auf deinem Rechner, das die Screen-Aktivitäten auswertet und kategorisiert. Alle Daten bleiben lokal, nichts verlässt deinen Computer. Das ist ein super Beispiel dafür, wohin lokale Inferenz führt, also das Ausführen von KI-Modellen direkt auf dem eigenen Gerät statt in der Cloud! Anwendungen, die ohne Datenschutzbedenken tief in den eigenen Workflow eingreifen können. Wer schon mal am Ende eines Meetings-Montags nicht wusste, was eigentlich erledigt wurde, sollte das mal ausprobieren. Aktuell nur für Mac, kostenlos und Open Source. Irre! Link

Tools kurz & knackig:

  • Ora Directory — Suchmaschine für Tools und Ressourcen, die speziell danach bewertet werden, wie gut KI-Agents sie nutzen können. Sau hilfreich!

  • OpenKnowledge — KI-nativer Markdown-Editor, in dem Menschen und Agents gemeinsam an einer Wissensdatenbank arbeiten können.

  • OpenScience — Open-Source-Workbench für Forschende mit über 250 Skills für ML, Computational Biology und Cheminformatik.

  • Bono AI — Wandelt ein gesprochenes Gespräch in Blog-Posts, Newsletter und Social-Media-Inhalte in der eigenen Stimme um.

  • ChatCut — KI-Videoeditor, der Schnitte, Captions und Grafiken auf Basis von natürlichsprachlichen Anweisungen im Browser umsetzt. Eher Showcase wohin die Reise gehen könnte!

🍭🍬 Gemischte Tüte

📖 Must Reads:

Unsere Gemischte Tüte ist immer vollgepackt - in dieser Sektion kuratieren wir die aus unserer Sicht wichtigsten Links:

Neuer Report "AI 2040" skizziert Szenarien bis 2040 und fordert Verlangsamung. Erinnert ihr euch noch an “AI 2027”? Der Nachfolger des viel diskutierten Dokuments legt verschiedene Entwicklungsszenarien für die nächsten 15 Jahre vor und setzt sich dabei für ein langsameres Tempo in der KI-Entwicklung ein. Der Report analysiert zudem geopolitische Dynamiken im globalen KI-Wettbewerb und ist ein sehr guter Read! Link

Meta launcht Muse Spark 1.1 mit erstem kostenpflichtigem API-Angebot. Meta stellt mit Muse Spark 1.1 ein neues Coding-Modell vor, das auf agentisches Reasoning und Tool-Nutzung ausgelegt ist und erstmals über ein bezahltes API angeboten wird. Die Analysefirma SemiAnalysis sieht Meta inzwischen gut positioniert, um OpenAI und Anthropic bei geschlossenen Modellen einzuholen. Das hier wäre der Anfang davon! Link

Apple klagt gegen OpenAI wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Diese Story ist völlig Irre! Apple hat eine Klage gegen OpenAI, die dazugehörige Tochterfirma io Products sowie mehrere ehemalige Apple-Beschäftigte eingereicht, denen der Transfer vertraulicher Designinformationen vorgeworfen wird. Apple verklagt nicht nur OpenAI selbst, sondern auch insgesamt sechs Personen persönlich, darunter zwei ehemalige Apple-Vizepräsidenten. Wir werden hier sicherlich noch konkreter darauf eingehen, aber potenziell werden wir viele Jahre auf ein OpenAI-Hardware-Produkt warten müssen. Link

xAI bringt Grok 4.5 mit Fokus auf Coding und KI-Agenten. xAI hat Grok 4.5 vorgestellt, das erste Modell der Reihe, das laut Hersteller explizit für Coding-Aufgaben und den Einsatz in KI-Agenten entwickelt wurde. Das Modell entstand in Kooperation mit dem Code-Editor Cursor, den SpaceX gerade erst gekauft hat, und zeigt dort starke Benchmark-Werte. Link

🇪🇺 EU & Deutschland:

  • Mistral veröffentlicht Robostral Navigate, ein Navigationmodell für Roboter und damit die erste Nische in der ein europäisches Modell dominiert. Yeyy 🥳 Link

  • Europa könnte eine Stärke in physischer KI-Implementierung entwickeln, nicht nur Frontier-Modellen. Link

  • “Soofi S 30B” ist ein deutsches Sovereign-AI-Modell mit Fokus auf Deutsch und Englisch. Und es ist gar nicht schlecht. Link

  • Cerebras plant Milliarden-Dollar-Expansion in Europa, um Nvidias Marktposition zu fordern. Link

  • Jürgen Schmidhuber, hoch in unserer Top100 im Kurs, in einem spannenden Interview. Schimdhuber ist zynisch aber hat sehr viel Ahnung. Link

👩‍💻 Tech-News:

  • JPMorgan baut AI-Agenten, die 60/40-Portfolios in Backtests übertrumpfen. Link

  • OpenAI akquiriert Northslope und gründet eine Deployment-Company-Division für Enterprise-GPT-5-Rollouts. Link

  • Meta Muse Spark 1.1 erreicht 1-Million-Token-Kontext mit Video-Verständnis und Agent-Fähigkeiten. Link

  • SpaceX rebrandiert sich zu SpaceXAI. Link

  • OpenAI findet Wege, Inference-Kosten um 50 Prozent zu senken, getestet bei angemeldeten ChatGPT-Nutzenden. Link

  • Anthropic plant 3Q26-Umsatz von 1 Milliarde Dollar annualisiert und reicht IPO-Antrag ein. Link

  • OpenAI hat Experiment-Durchsatz pro Forschende verdoppelt und agentic Token-Nutzung 22-fach erhöht. Link

  • Redakteur Pieter Levels dokumentiert seine Vorhersagen zu KI-Trends in dynamischer interaktiver Chart. Link

  • OpenAI diskontinuiert ChatGPT Atlas, seinen Standalone-Desktop-Browser. Link

💻 Agentic Engineering:

  • Meta Muse Image und Muse Video ermöglichen agentic Bildbearbeitung. Link

  • Tinygrad, die Techfirma hinter Hacker George Hotz, arbeitet mit GLM 5.2 lokal bei 100 Tokens pro Sekunde auf einer einzigen Maschine für 40-köpfige Organisation. So könnte lokale Inferenz im Unternehmen laufen! Link

  • Uber sagt 99 Prozent seiner Ingenieure nutzen AI-Tools und 70 Prozent der Pull-Requests stammen von Agenten. Link

  • Thinking Machines Lab fokussiert auf KI, die menschliche Urteilskraft erhält statt sie zu ersetzen. Das ist die Zukunft die wir persönlich sehen wollen. Link

🌍 Geopolitik & AI Race:

  • China könnte damit beginnen, führende KI-Modelle von Alibaba, ByteDance und Z.ai vom Auslandsmarkt auszusperren. Das wäre sehr schlecht für Europa! Link

  • DeepSeek entwickelt eigenen Inference-Chip um Abhängigkeit von Nvidia und Huawei zu verringern. Link

  • Altimeter-Partner sieht vier KI-"Jahreszeiten" OpenAI, Anthropic, SpaceX und Google, Firmen sollten “multi-model routen”. Link

  • Open-Source-Anteil am Enterprise-AI-Spending sinkt von 19 auf 11 Prozent während geschlossene Modelle von 81 auf 89 Prozent steigen. Link

👷 Arbeitswelt:

  • Cooler Usecase: Broccoli-Bauer Hiroki arbeitet auf seinem Betrieb mit GPT-5.6. Link

  • AI-Forecaster schlagen menschliche Top-Prognostiker bei Prediction Markets, einige verdienen Millionen. Link

  • Satya Nadella (Microsoft CEO) warnt vor "Reverse Information Paradox": Unternehmen zahlen doppelt, mit Geld und mit Wissen. Ähnlich wie der CEO von Palantir. Link

  • Aaron Levie erklärt KI-Transformation bedeutet Workflow-Änderung über mehrere Funktionen. Link

  • Mark Cuban erklärt SaaS ist tot weil KI individualisiert nicht standardisiert, Tools müssen sich beugen nicht Menschen. Link

  • Starbucks gibt 400 Millionen Dollar pro Jahr für Software aus, wechselt zu Custom-Systemen weg von IBM und Microsoft. WICHTIGES Signal für KI in Unternehmen. Link

  • Wohlhabende Familien schreiben Kinder in KI-Lehrer-Schulprogramme für personalisierte Bildung ein. Link

  • Palantir veröffentlicht Whitepaper zu Sovereign AI für Institutionen. Link

🔐 AI Safety & Governance:

  • Cambridge und New York Times dokumentieren Boko Harams Einsatz von Frontier-AI für Terrorismusfinanzierung. Link

  • Future of Life Institute findet große Labs schwächen freiwillige Sicherheits-Zusagen. Link

  • AI-Super-PACs sammeln über 200 Millionen Dollar um nationale Regulierung zu beeinflussen. Link

  • Anthropics Interpretability-Forschung zeigt J-Space, unbewusste neurale Muster die Claude intern nutzt ohne sie auszugeben. Quasi das “Unbewusste” aber bei KI. Link

  • Meta testet Always-On Super-Sensing Mode für kommende Ray-Bans, LED-Licht bleibt an während Kameras laufen. Link

  • Abnormal AI antwortet auf Anthropic-Klage und verteidigt seinen Einsatz von Claude API. Link

  • Google wird KI-generierte Werbung kennzeichnen. Link

  • Meta ermöglicht es Nutzenden Deepfakes von Instagram-Fotos anderer zu erstellen ohne explizite Zustimmung. Link

  • Sam Altman schlägt vor dass US-Regierung 5 Prozent Anteile in allen AI-Labs hält. Link

  • PC-Gamer bleiben skeptisch gegenüber Steam-AI-Hinweisen, vermuten Entwickler verstecken Verwendung. Link

🏥 Health & Science:

  • Google veröffentlicht SensorFM, trainiert auf 1 Billion Minuten Wearable-Daten von 5 Millionen Teilnehmen. Link

  • Anthropic will eigene Medikamente entwickeln, Experten warnen dass KI Forschung beschleunigt nicht ersetzt. Link

🎨 Kreativ & Medien:

  • Midjourney verlangt Disney, Universal und Warner Bros. offenbaren ihre AI-Nutzung in Urheberrechtsprozess. Link

🧂 Salty Memes:

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