Hallo Freunde,

Während das beste Modell von Anthopic, Fable 5, immer noch unter Verschluss bleibt, und OpenAI neues Modell GPT 5.6 ebenfalls von der US-Regierung zurückgehalten wird, meldete sich Meta gestern Abend mit einem neuen Modell: Brain2Qwerty v2, dass Gehirnsignale per MEG empfängt und in Text verwandelt. Ja, richtig gelesen, es kann Gedanken entschlüsseln. Aktuell mit 61% Genauigkeit. Auf gehts!

Peanuts für heute:

  • 🧠 Die Große Nuss: KI kostet bald ein Drittel deines Gehalts. Und jetzt?

  • 📊 Highlight: OpenAI baut eigenen Chip und kündigt neues Topmodell an

  • 🛠️ Trai it Out: Claude direkt im Slack-Channel als Teammitglied nutzen

💸 KI kostet bald ein Drittel deines Gehalts. Und jetzt?

In deutschen Durchschnittsunternehmen gehen 20 bis 35 Prozent der Ausgaben an das Personal. Zu den Personalkosten zählen Gehälter, Sozialversicherungsbeiträge und weitere Nebenkosten.

Laut SemiAnalysis, einer Research-Firma für Chips und KI, könnte da bald ein großer Batzen dazukommen. Dort liegen die KI-Ausgaben pro Mitarbeiter bereits bei rund 30 Prozent des Gehalts. On Top! Jeder Mitarbeiter also 30 Prozent teurer.

Bei einem Jahresgehalt von 100.000 Euro wären das etwa 30.000 Euro im Jahr oder gut 2.500 Euro im Monat, die zusätzlich an Anbieter wie OpenAI oder Anthropic gehen.

Laut SemiAnalysis wird das in wenigen Jahren bei allen hochpreisigen Knowledge-Workern, also Hedgefonds-Managern, Anwälten und Forschern, der Fall sein. Und irgendwann bei allen anderen auch. Selbst der Schlüsseldienst soll im Jahr 2036 ein paar Tausend Euro für Tokens verbraten.

Die wahren Kosten

Warum macht sich dann nicht einfach jeder einen ChatGPT-Pro-Plan für 200 Dollar im Monat, statt tausende Euro pro Mitarbeiter zu bezahlen?

Weil das laut der AGBs nicht erlaubt ist, die Abos sind eigentlich nur für den Privatgebrauch. Und werden außerordentlich stark subventioniert, besonders bei Power-Usern. 

Ein vollständig genutztes 200-Dollar-Abo bei ChatGPT entspricht laut SemiAnalysis bis zu 14.000 Dollar an API-Wert. Das ist der Preis, den Entwickler zahlen würden, wenn sie dieselbe Modellnutzung direkt über die Programmierschnittstelle einkaufen.

OpenAI und Anthropic haben das natürlich auf dem Schirm. Sie wollen schnell wachsen und Nutzer an ihre Produkte gewöhnen. Netflix hat lange ähnlich funktioniert. Account Sharing war offiziell verboten, wurde aber jahrelang toleriert, weil Wachstum wichtiger war als sofortige Monetarisierung. Und eines Tages kam der Kahlschlag.

Wer soll sich das leisten?

Klar ist also, dass KI-Abos heute stark subventioniert werden und dass diese Rechnung nicht ewig so weitergehen wird. Es gibt nur zwei mögliche Reaktionen. Unternehmen können KI-Nutzung bremsen. Oder sie können lernen, dieselbe Arbeit mit weniger unnötiger Rechenleistung zu erledigen.

Coinbase-CEO Brian Armstrong hat letzte Woche gezeigt, wie der zweite Weg aussehen könnte. Sein Team hat nicht einfach gesagt, Mitarbeiter sollen weniger KI nutzen. Es hat auch nicht die Limits gesenkt. 91 Prozent der Mitarbeiter waren ohnehin nie an ihrem Limit. Neue Grenzen hätten also vor allem die wenigen produktivsten Power-User getroffen.

Die Antwort war nicht ein einzelner Trick, sondern drei ziemlich einfache Regeln.

  1. Nicht jede Aufgabe muss automatisch beim teuersten Modell landen. Eine komplizierte Architekturfrage braucht vielleicht das stärkste Modell. Eine einfache Zusammenfassung, ein Standardticket oder ein kleiner Code-Schritt nicht. Coinbase stellt deshalb günstigere Modelle als Normalfall ein.

  2. Nicht jeder Mitarbeiter muss selbst entscheiden, welches Modell gerade passt. Ein automatischer Router soll die Arbeit verteilen. Grobe Planung an ein starkes Modell. Einfache Ausführung an ein günstigeres Modell. Wiederholbare Routineaufgaben möglichst billig. 

  3. KI soll nicht dieselbe Information immer wieder neu lesen und neu berechnen. Wenn ein Agent zum zehnten Mal mit derselben Codebasis arbeitet, sollte diese Codebasis nicht zehnmal voll bezahlt werden. Wenn mehrere Mitarbeiter mit denselben Dokumenten arbeiten, sollte das System wiederverwenden, was es schon verarbeitet hat. Das ist sogenanntes Chaching.

Bei Coinbase stieg die Cache-Trefferrate in einem internen Tool von 5 auf 60 Prozent. Einfach gesagt: Vorher konnte das System fast nichts wiederverwenden. Danach sehr viel mehr. Der Effekt war groß. Die KI-Ausgaben wurden fast halbiert, obwohl die Nutzung weiter wuchs.

Das Problem war nicht, dass Mitarbeiter zu viel KI verwendeten. Das Problem war, dass die Infrastruktur jede Aufgabe behandelte, als müsste sie jedes Mal neu, teuer und vollständig berechnet werden.

Aus unserer Sicht wird Token-Effizienz in den nächsten zwei Jahren zur echten Kernkompetenz. Denn die 30-Prozent-Zahl von SemiAnalysis könnte erst der Anfang sein.

🛠 Trai it out:

Claude Tag

Anthropic hat Claude Tag vorgestellt, eine neue Art wie Teams mit Claude zusammenarbeiten können. Claude tritt einem Slack-Workspace als vollwertiges Teammitglied bei, bekommt Zugriff auf ausgewählte Channels und Tools, und kann danach von jedem im Team einfach per @Claude angeschrieben werden. Im Hintergrund baut Claude dabei aktiv Kontext auf, erinnert sich an relevante Informationen aus vergangenen Conversations und kann Aufgaben eigenständig planen und abarbeiten.
Das Interessante daran ist weniger die Technologie als das Interface-Paradigma: statt eines separaten Chat-Fensters arbeitet Claude direkt im Kommunikationsfluss des Teams mit, dort wo ohnehin schon entschieden und koordiniert wird. Anthropic gibt an, dass 65 Prozent des Codes, den ihr eigenes Produktteam schreibt, inzwischen von dieser internen Version von Claude Tag stammt.
Wer in seiner Organisation sowieso schon mit Slack arbeitet und wissen will, wie sich ein KI-Modell als tatsächliches Teammitglied anfühlt (nicht als Chatbot in einem separaten Tab), sollte das ausprobieren. Link

Tools kurz & knackig:

  • Papermark for Agents — Gibt KI-Agenten Zugriff auf sichere Datenräume, sodass sie Dokumente hochladen, teilen und seitengenau tracken können.

  • Hubble.md — Schlichtes, Open-Source-Markdown-Notizbuch mit Live-HTML-Vorschau, das auch für KI-Agenten als Schreiboberfläche gedacht ist.

  • Fyxer — KI-Assistent, der eingehende E-Mails automatisch kategorisiert und Antworten im eigenen Schreibstil vorformuliert. Ein paar Techie-Freunde von uns sind davon recht überzeugt.

  • ClickUp Brain² — Verbindet Tasks, Dokumente, Chats und externe Apps zu einem gemeinsamen Workspace-Gedächtnis, das Fragen beantwortet und Dashboards aufbaut.

🍭🍬 Gemischte Tüte

📖 Must Reads:

Unsere Gemischte Tüte ist immer vollgepackt - in dieser Sektion kuratieren wir die aus unserer Sicht wichtigsten Links:

OpenAI stellt eigenen KI-Chip "Jalapeño" mit Broadcom vor. OpenAI hat zusammen mit Broadcom einen eigenen Inferenz-Chip für LLM-Workloads entwickelt, der ChatGPT, Codex und künftige Agenten-Produkte antreiben soll. Parallel sicherte sich OpenAI Berichten zufolge 40 Prozent der weltweiten DRAM-Wafer-Produktion bis 2029. Link

OpenAI kündigt GPT-5.6 mit drei Modell-Stufen an. Bald wird es eine neue Reihe von ChatGPT-Modellen geben. Diese Reihe besteht aus Sol als Hauptmodell, Terra als Modell für den Alltag und Luna als schnellere und günstigere Version. Es wird jedoch noch etwas dauern, bis wir das neue Modell verwenden können, da die US-Regierung den Start erst überprüfen muss, ähnlich wie bei Anthropic Fable. Link

EU und Deutschland schließen sich der von den USA geführten KI-Initiative "Pax Silica" an. Diese Initiative zielt darauf ab, Chips, Rohstoffe und Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz zu sichern. Auch die Niederlande und Griechenland sind dabei. Experten sehen diese Initiative kritisch, da sie die Unabhängigkeit Europas im Bereich KI gefährden. Link

🇪🇺 EU & Deutschland:

  • Deutschland setzt auf KI-Rollout mit 300-Milliarden-Euro-Investition gegen Fachkräftemangel. Link

  • Österreich schlägt vor, Anthropic in der EU anzusiedeln, um US-Zugriffsbeschränkungen zu umgehen. Link

  • Europäische Behörden warnen, dass pro-russische Gruppen KI-Chatbots mit Propaganda füttern. Link

  • Ex-Meta-PM prognostiziert, dass US- und europäische Unternehmen zu chinesischen Modellen wechseln werden. Das Argument ist gar nicht so schlecht. Link

🌍 Geopolitik & AI Race:

  • Anthropic wirft Alibaba vor, Claude-Modelle systematisch über API zu destillieren (also ihre eigenen Modelle mit Claude zu trainieren) und weiterzuverkaufen. Link

  • Südkorea will 650 Milliarden Dollar in KI-Halbleiter und Infrastruktur investieren. Link

  • DeepSeek plant massive Personalrekrutierung im chinesischen KI-Talentkrieg. Link

  • WSJ: Innovation, nicht Nachfrage, ist die langfristige Bedrohung für den Speicher-Chip-Boom. Link

👩‍💻 Tech-News:

  • Google reorganisiert sein KI-Coding-Team und richtet formale "Midtraining"-Gruppe ein. Das könnte der Grund für die Talentflucht in den letzten Wochen sein. Link

  • GenAI-Wirtschaft generiert 110 Milliarden Dollar Umsatz in 12 Monaten, Wachstum beschleunigt sich. Link

  • OpenAI verzögert IPO-Pläne auf 2027 wegen 3,7-Milliarden-Dollar-Quartalsverlust. Link

💻 Agentic Engineering:

  • Google nutzt Smartphone-Sensoren von tausenden Android-Geräten als globales Erdbeben-Netzwerk. Link

  • HP-Platform erklärt IT-Probleme proaktiv und schlägt Fixes vor, bevor Nutzende ein Ticket öffnen. Link

  • OpenAI veröffentlicht White Paper zu "Codex-maxxing" für langandauernde Aufgaben. Link

  • Tech-Leader geben zu, dass sie zu viel in KI investieren und zu wenig davon nutzen. Link

🔐 AI Safety & Governance:

  • OpenAI beschränkt GPT-5.6 Soul auf 20 vorggenhmeigte Unternehmen auf Druck der Trump-Administration. An diesen Prozess müssen wir uns gewöhnen Link

  • Anthropic kann Claude Mythos 5 für Organisationen in kritischer Infrastruktur wieder freigeben. Das öffentliche Fable-Modell bleibt unter Verschluss. Link

  • Policy-Analyst Dean Ball fordert klare US-Lizenzstandards für Frontier-KI-Modelle statt Ad-hoc-Reviews. Link

🏥 Health & Science:

  • GPT-5 Pro löst dreijähriges Immunologie-Rätsel über T-Zell-Spezialisierung. Link

🎨 Kreativ & Medien:

  • Google investiert 75 Millionen Dollar in A24, um KI-Filmmaking-Tools zu entwickeln. Link

  • Private World-of-Warcraft-Server läuft mit 1.800 DeepSeek-KI-Bots als Spielfiguren. Link

  • Amazon Studios wird den Film über Sam Altman, "Artificial", nicht mehr veröffentlichen, aufgrund ihrer Partnerschaft mit OpenAI. Der Film wird nun mit anderen Studios verhandelt. Link

👷 Arbeitswelt:

  • Cloudflare-CEO warnt, KI könnte Kleinunternehmen zerstören. Link

  • California Policy Lab startet Tracker für KI-bedingte Arbeitsplatzverluste. Link

  • KI-Kanzlei gewinnt erste UK-Gerichtsverhandlung, hilft Freelancer 7.000 Pfund einzutreiben. Link

  • Boris Cherny (der Chef von Claude-Code) skizziert fünf neue Rolle (Prototyper, Builder, Sweeper, Grower, Maintainer) in KI-Teams. Sehr spannend. Link

  • ChatGPT hat wahrscheinlich kein Bewusstsein, aber die philosophische Frage bleibt ungeklärt. Link

🧂 Salty Memes:

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